„Weiberkram“, Remagen, 2017

Bienenfleiß, Spinnen und Selbstaufgabe

Sonntags in der Galerienstadt Remagen: Dass sie Zeugen eines kunsthistorisch bedeutsamen Nachmittags werden sollen, mit nicht allein elf Ausstellerinnen, darunter Mary Bauermeister, deren optische Linsen, Lichtkästen mit sizilianischen Laken, Steinarbeiten und Installationen locken, ahnen die Besucher der spannenden Vernissage bei Rosemarie Bassi nicht. Die Galeristin hat mit Bauermeister, der sie 2015 ein Solo widmete, zur gemeinsam kuratierten Schau „Weiber-Kram – Von den Refüsierten zu den Arrivierten“ eingeladen.

Kunst aus Frauenhand galt früher geringschätzig als „Weiberkram“. Frauen wurden in ihrem Künstler-Sein behindert, benachteiligt, ignoriert. Die mangelnde Wertschätzung zieht sich bis in die Gegenwart. Zu Unrecht, das meint nicht nur Vernissagegast Marianne Pitzen, Gründerin des 1981 weltweit ersten Frauenmuseums in Bonn, sondern verdeutlicht auch die Ausstellung der Abgelehnten bis Angekommenen. Bei der Vorstellung der Künstlerinnen hält die 82-jährige ungeheuer lebendige Bauermeister, die in den 1960ern weitherzig ihr Kölner Atelier den Künstlerkollegen öffnete, in New York ihren Durchbruch erfuhr und seit einigen Jahren zunehmend in Deutschland verortet wird, ein flammendes Plädoyer für die Kunst und die weiblichen Kreativen. „Bienenfleiß“ zeichne sie aus, ein Hang zum Spinnen und gelegentliche Selbstaufgabe aus Liebe. Letzteres schließt auch sie ein, deren Ehemann Karlheinz Stockhausen von ihrer Unterstützung profitierte. Es trifft gleichfalls auf Li Xinmo aus China zu, die mit einer Fisch-Federzeichnung und Kaffeesatz-Aquarellen dabei ist.

Die heutige „materialistische Zeit“ sei kein Freund der Kunst – „wir haben gehungert 1964, weißt Du noch“, sagt Bauermeister zu der bescheidenen wie inspirierten Japanerin Takako Saito aus Düsseldorf. Kluge, leichte, sehr ästhetische Objekte, ein Fluß-Buch mit transparenten Schnipselkästchen oder „Gefriermusik, Bohnensuppe“, zeigt die vielseitige Avantgardistin. Frauen, die Neues erschufen, das man erst nach Jahrzehnten als Kunst anerkannte, waren die Engländerin Georgiana Houghton (1814-1884), deren Weg in die Abstraktion durch Bilder voll ornamentaler Linien-Strudel anschaulich wird oder die okkult inspirierte, früh geometrisch malende Schwedin Hilma af Klingt (1862-1944). Mit Pendel auf Millimeterpapier austarierte Heilbilder der Schweizerin Emma Kunz (1892-1963) haben ebenso ihren Platz in „Weiberkram“, wie der „Schwitzkasten“ aus Matratzen von Ulrike Oeter, dichte Gemälde und Objekte von Hendrina Krawinkel und horizontal gegliederte Bildwerke von Heike Lindenbach.

Schwarz und großartig fallen die großen „Auditory Illusions“ aus. Per Hand umwickelte Marya Kazoun (Libanon, Italien) Bambus und Perlen mit Wolle zu geschwungenen Gebilden, um Vibrationen, Strukturen und Zeit zu erkunden, aber auch um „Liebe und Hass darin zu verstecken“. Ebenfalls hinreißend: Irmel Droeses gefaltete, genähte und gewachste Figuren an und vor einer Wand. Dann kam, was niemand erwartet hatte: Die Improvisationskünstlerin beschenkte das Publikum mit einer so intensiven Performance, dass sich einem die Körperhaare aufstellten: Sie ließ Stimmen aus sich hervorbrechen, unvorstellbar heftig, autoritär, grollend, aber auch Wispern, Säuseln, ein Hauch von Zärtlichkeit.

Quelle: General-Anzeiger Bonn | Hildegard Ginzler | Foto: Martin Gausmann

Hendrina Krawinkel

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